Konzept der Umwelterziehung in der Martinschule Rietberg-Verl

1.  Schulgarten. 2

2.  Schulgarten-AG und Praxisblock „Schulgarten“  8

3.  „Rund um die (Kopf-)Weide“- Schulbeitrag zur LGS Rietberg (2008) 9

4.   Umweltschutzprojekte und Aktionen. 17

    4.1 Schutzprojekt für Schwalben und Mauersegler in Rietberg. 17

    4.2  Wettbewerb „Bundeshauptstadt der Biodiversität“ 18

4.3  Weitere Projekte. 18

Neben der fachspezifischen Thematisierung umweltrelevanter Aspekte legt die Martinschule großen Wert auf eine ökologische Gesamtausrichtung.

Ein Schwerpunkt der schulischen Arbeit besteht daher im Aufbau nachhaltiger (ressourcen- und umweltschonender), nachahmenswerter Handlungsmuster.

Als besondere umweltpädagogische Freiland-Arbeitsfelder stehen der Schulgarten und die Weidenparzelle im Gartenschaupark zur Verfügung.

1.  Schulgarten

Der Schulgarten kann von allen Klassen und Lerngruppen der Schule genutzt werden; seine ökologische Bewirtschaftung schließt „natürlich“ auch die artgerechte Tierhaltung (Hühner) ein.

1991 begannen die aufbauenden, gestaltenden und pflegenden Arbeiten  im beinahe 2000 Quadratmeter großen Schulgarten, der inzwischen folgende Elemente enthält:

·       Wallhecke mit einheimischen Vogelschutz- u. Nährgehölzen, Feuchtbiotop, Weiden(flecht)zäune, Totholzstapel, Trockenmauer, Benjeshecke, Streuobstwiese mit alten heimischen Obstsorten, Kräuterspirale und Komposthaufen

·       Hühnerstall mit Wintergarten, Auslauf mit Bepflanzung (Schutz, Versteck, Nahrung)

 

·       Bienenlehrstand mit z.Zt. 9 Bienenvölkern 

·       Nutzgarten mit Klassenbeeten, Gewächshaus, Gerätehaus incl. Wasser- und Stromanschluss, Mulchwege, gepflasterte Sitz- und Grillecke

·       Einfriedung mit Maschendrahtzaun, Tor und Tür

·       Der Bienenlehrstand wurde ab Oktober 1997 im Rahmen eines GÖS-Projektes geplant und aufgebaut. Dieses Projekt zur Gestaltung des Schullebens und Öffnung von Schule (GÖS) wird durchgeführt in Kooperation mit Betrieben und Einzelpersonen, mit dem örtlichen Imkerverein, dem Landesimkerbund, dem städtischen Umweltberater und der Umweltpädagogin des Kreises Gütersloh. 

·       Seit 2003 hat eine Züchtergemeinschaft (Martinschule und acht weitere Imker) ihren Sitz im Bienenlehrstand.

·       Wildbienenstand (Frühjahr 2004)

·       Der Hühnerstall wurde im Frühjahr 2005 im Rahmen der Umwelt-AG um einen Wintergarten erweitert; zudem wurden Auslauf und Innenausstattung des Stalls gemäß der Bioland-Richtlinien  umgestaltet. Im August 2005 fand die komplette Umstellung auf biologische Legehennenhaltung mit dem Kauf von zehn Bio-Junghennen und einem Bio-Hahn sowie dem ausschließlichen Einsatz von Bio-Futter statt, wobei uns heimische Bioland-Betriebe mit Rat und Tat zur Seite standen und stehen (Kiebitzhof, Gütersloh/ Biolandhof Martin Westerbarkey, Gtl.- Avenwedde/ Bioland-Zuchtbetrieb Beate Südbrock, Rheda-Wiedenbrück).

·       Der ca. 300 m² große Nutzgarten wird seit Herbst 2009 in enger Kooperation mit dem Rietberger Biolandhof Mertens-Wiesbrock bewirtschaftet; neben sehr kompetenten Ratschlägen (wie z.B. Tipps zu Fruchtfolge, Düngung, Anbau verschiedener Gemüsesorten, Bewässerung, Schädlingsabwehr, ...) spendet der Betrieb u.a. Dünger, Jungpflanzen und Saatgut.  

·       Im Frühjahr 2011 wurde im Eingangsbereich der Schule auf einer Fläche von etwa  70 m² eine besonders insektenfreundliche Pflanzung geplant und angelegt, die von verschiedenen Schülergruppen der Praxisblöcke gepflegt wird.

2.  Schulgarten-AG und Praxisblock „Schulgarten“  für SchülerInnen der Klassen  7 - 10

In diesen weitestgehend handlungsorientierten Arbeitsgemeinschaften für die Klassen 7-10  wurden/werden u.a. folgende Projekte „angefasst“:

·       Ökologische Wirtschaftsweise: Kreislaufwirtschaft / Gärtnern ohne Gift / Aussaat, Aufzucht und Ernte verschiedener Gemüsearten / Verwendung der Schulgarten-Öko-Produkte (Obst, Gemüse, Bio-Eier,....) im Hauswirtschaftsunterricht, in einzelnen Klassen und im Schulgarten-Praxisblock bzw. in der Schulgarten-AG / Kenntnis von günstigen/ungünstigen Pflanzennachbarschaften und günstigen Fruchtfolgen / Kompostierung, Einsatz organischer Düngemittel (Gründünger, Haarmehl,...) / Methoden der Pflanzenvermehrung, Pflanzenaufzucht / biologischer Pflanzenschutz  bzw. biologische Schädlingsabwehr (Brennnesselextrakt, Fliegennetze, Tagetes, Ringelblume, ...) / Besuch heimischer  Biolandbetriebe

·       Artgerechte Tierhaltung:  Haltung der Schul-Bio-Hühner nach Bioland-Richtlinien

·       Artenkenntnis: Übungen zur Bestimmung einheimischer Pflanzen und Tiere / Informationssammlung zur Biologie einheimischer Tierarten

·       Artenschutzmaßnahmen: Bau von Nisthilfen für Vögel u. Insekten; Bau von Fledermaus- und Hummelkästen / Anpflanzung u. Aussaat von Bienen-, Hummeln- und Schmetterlingsnährpflanzen / Fassadenbegrünung als Nistgelegenheit für Vögel und Biotope für Kleinlebewesen / Bau und Betreuung einer Lehmwand für Solitärinsekten

·       Gesunde Ernährung: Projekte „Kartoffel“, „Holunder“, „Gesundes Frühstück“, „Vitaminchen“, „Werbung, Mode, Gesundheit“, „Früchteverarbeitung“

·       kindgerechte u. naturnahe Spielplatz- und Schulgeländegestaltung

·       Müllsammelaktionen: Sammelaktionen  mit dem Hegering Rietberg / regelmäßige Müllsammlung auf dem  Schulgelände

·       Regenerative Energien: Bedeutung von Sonnen-, Wind- und Wasserkraft / Bau von Sonnenkollektoren / Bau eines Windrades / Informationssammlung im Rietberger Klimapark und im Internet

·       Arbeitsgeräte: Bezeichnung und Funktion der wichtigsten Gartengeräte / sachgerechter Umgang mit den Arbeitsgeräten

·       Weidenparzelle: Durchführung von Pflegemaßnahmen und Flechtaktionen 

  

3.  „Rund um die (Kopf-)Weide“- Schulbeitrag zur Landesgartenschau Rietberg (2008)

Im Jahr 2006 fassten die zuständigen Schulgremien den Beschluss, sich mit einem eigenen  Beitrag an der Landesgartenschau Rietberg zu beteiligen; man einigte sich auf das Projektthema  

„Rund um die (Kopf-)Weide“. Mit unserem Schulbeitrag wird der Facettenreichtum dieser faszinierenden Thematik skizziert, zumal gerade die (Kopf-)Weide ein landschaftstypisches und prägendes Element des heimischen Raumes darstellt. Vier Info-Tafeln zeigen die frühere und heutige Nutzung der (Kopf-)Weide und dokumentieren zudem ihren besonderen ökologischen Wert für Tiere und Pflanzen. Exponate wie Fachwerkwände mit Gefachen aus Weiden-/Lehmgeflecht,  Flechtzäune,  Korbwaren, Sitzbänke, Holzschuhe oder Brennholzscheite tragen wesentlich zur Veranschaulichung ihrer  vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten bei.

Die Entwicklung vom Weidensteckling bis zum gewaltigen, hohlen Baum mit einem Stammumfang von mehr als 4 m und einem Alter von über einhundert Jahren wird durch die Pflanzung im Zentrum des Geländes eindrucksvoll dargestellt.

Die Nutzung von Weidenstecklingen und –ruten zur phantasievollen Gestaltung von Kunstobjekten und Naturspielräumen demonstrieren u.a. das „Weidenpferd Uschi“ und Weidenbauwerke wie Labyrinth, Tunnel und Tipi.

Mit dieser Themenwahl war der Startschuss für eine Vielzahl von Einzelprojekten gefallen, die im Vorfeld und während der LGS durchgeführt wurden:  

Zu diesen Projekten gehörten beispielsweise

·      der Bau eines Weiden-Tipi-Prototyps auf dem Schulgelände mit Hilfe der Expertin Frau Noack-Füller  von der Biologischen Station  Gütersloh-Bielefeld (Februar 2007)

·      Unterrichtsgänge mit dem Umweltberater der Stadt Rietberg Paul Hölscher zum Thema  „Kopfweiden als Lebensraum für Tiere und Pflanzen“ (März 2007)  

·      eine große Pflanzaktion: 40 Eltern, Schüler- und LehrerInnen setzen Hunderte von  Stecklingen für die Eingrenzung der Parzelle, das Weiden-Labyrinth, das –Tipi und den – Tunnel (April 2007)

·      die Einsätze des Labor- und Umweltbusses „Lumbricus“ der NUA (Natur- und  Umweltschutz-Akademie NRW auf dem LGS-Gelände zum Thema: „Lebensraum  Kopfweiden“ (Mai 2007 und Juni 2008)

·      die Ausfachung des Backhauses (Paderborner Dorf) im Freilichtmuseum Detmold  (August 2007)

·      Flechtseminare mit der Korbflechterin Petra Franke für  Eltern, Schüler- und LehrerInnen  (Kartoffelkörbe, Staudenhalterungen, Weidenbank, ...) (November 2007; März 2008)

·      die Herstellung von Flechtzäunen auf der Weidenparzelle mit der Korbflechterin  Petra Franke (Dezember2007/Januar 2008)

·      der Besuch beim Holzschuhmacher Ottensmann in Wadersloh (Januar 2008)

·      die Beschaffung der Wanderausstellung zum Thema „Kopfweiden“ der Biologischen Station  Paderborn  (März 2008)

·      die Herstellung des Fachwerkunterstandes auf der LGS-Parzelle mit Hilfe der Experten des  Detmolder Freilichtmuseums (Korbflechterin, Maurer – März 2008)

·      Berichte und Interviews (von Schülern, Korbflechterin, Lehrer) zweier Filmteams des WDR über die Weidenparzelle (Juni 2008 - Sendung „Servicezeit Haus und Garten“; Juli 2008 –  Sendung: „Schön hier“) 

·      die Gestaltung und Herstellung des „Weidenpferdes Uschi“ (Schulstation - Frau von Lehmden-Biener; Januar, Februar, März 2008)

Parallel zu diesen Einzelprojekten wurden - z.T. unter erheblichem Zeitdruck - natürlich die grundlegenden Arbeiten an der Weidenparzelle wie beispielsweise Bodenbewegungen, Anlage und Gestaltung von weitgehend barrierefreien Wegen und Flächen, Sammlung und Transport von Weidenstecklingen und –ruten, Beschaffung und Verteilung von Häckselgut für die Mulchflächen, Unkrautjäten, etc. - von einer etwa 30-köpfigen Schüler-/Lehrerkerngruppe ausgeführt.

Das LGS-Projekt „Rund um die (Kopf-)Weide“  wird auch nach Abschluss der Landesgartenschau weiterhin von den Schülern der Schulgarten-AG und des Praxisblocks „Schulgarten“ betreut.

Die anstehenden Pflege- und Flechtarbeiten werden besonders intensiv in den Herbst- und Wintermonaten durchgeführt.

 

4.   Umweltschutzprojekte und Aktionen

4.1 Schutzprojekt für Schwalben und Mauersegler in Rietberg

Um der teils dramatischen Abnahme der Schwalben- und Mauerseglerpopulationen - auch im Rietberger Raum – entgegenzuwirken, rief die Biologische Station Gütersloh/Bielefeld im April 2011 ein spezielles Schutzprogramm ins Leben, an dem  sich  die Rietberger GNU (Gemeinschaft für Natur- und Umweltschutz) und die Martinschule beteiligen. Bernhard Walter, Leiter der Bio-Station, betont neben der Notwendigkeit der Umsetzung gezielter Schutzmaßnahmen besonders die Bedeutungder breiten Umweltbildung. Dieses Projekt ist langfristig angelegt und startet zeitgleich in Versmold und Gütersloh. Zunächst geht es darum, durch eine Bestandserhebung einen Überblick über die Schwalben- und Mauerseglerpopulationen in Rietberg zu bekommen.

Mehlschwalben lassen sich gut zählen, da sie außen an Gebäuden nisten ebenso wie Mauersegler, die allerdings Kirchtürme und mehrgeschossige Gebäude bevorzugen; Rauchschwalben nisten am liebsten in landwirtschaftlichen Gebäuden, sodass ihr Vorkommen schwieriger zu ermitteln ist.

Unsere ersten Exkursionen mit verschiedenen Schülergruppen und Experten der Biologischen Station haben schon zu interessanten Ergebnissen geführt:

·      Rauchschwalben: 48 intakte, bewohnte Nester

·      Mehlschwalben  : 58 intakte, bewohnte Nester

·      Mauersegler       :   3 intakte, bewohnte Nester

Unsere Ergebnisse werden in einer Tabelle und auf einer Rietbergkarte in der Schule dokumentiert.

Als gezielte Schutzmaßnahmen werden wir Nistkästen bauen und auf Wunsch anbringen sowie Lehmpfützen für den Nestbau an geeigneten Stellen anlegen.

4.2  Wettbewerb „Bundeshauptstadt der Biodiversität“

Die Stadt Rietberg nahm im Jahr 2011 an dem bundesweiten Wettbewerb „Bundeshauptstadt der Biodiversität“ teil, der von der  „Deutsche(n) Umwelthilfe“ ausgelobt wurde.

Im Rahmen dieses Wettbewerbs beteiligte sich auch die Martinschule an den Arbeitsgruppentreffen (Teilnehmerkreis: VertreterInnen des Planungsbüros, des Kreises Gütersloh, der GNU, der Bio-Station Gütersloh/Bielefeld, des LWK NRW, der Gartenschauparkgesellschaft sowie die Umweltschutz- und Klimaschutzbeauftragten der Stadt Rietberg)  und leistete mit dem Schulgarten und dem LGS-Weidenprojekt einen wesentlichen Beitrag zu dem Punkt 2 „Umweltbildung und Umweltgerechtigkeit“.

4.3  Weitere Projekte